Die Menschheit ist derzeit mit dem sechsten Massenartensterben in der Erdgeschichte konfrontiert, das sich von vorherigen dadurch unterscheidet, dass es durch die Menschen selbst, also anthropogen verursacht ist. In der Literatur und anderen Kunstformen finden wir zunehmend Vorstellungen und Geschichten, die auf die miteinander verknüpften Krisen des Artensterbens, des Biodiversitätsverlusts und des Klimawandels reagieren. Extinction ist ein komplexes und nicht nur naturwissenschaftliches, sondern auch ein kulturelles Phänomen und der Umgang damit reflektiert die vorherrschenden Vorstellungen von den Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und (Um)welt.
Am Beispiel verschiedener Medien wie Romanen, Theaterstücken, Tanzperformances, Filmen und Videospielen geht Julia Hoydis in ihrem Vortrag den Fragen nach, wie fiktionale Erzählungen mit Hoffnung, Verlust und Endzeitszenarien umgehen und wie Gegenmaßnahmen wie De-Extinction beispielsweise durch gentechnische Experimente und Artenschutz dargestellt werden. Das reflektiert sie stets vor dem Hintergrund des Umgangs mit Enden und Endlichkeit, der sich durch Hoffnung und Akzeptanz, aber auch in Form von Resilienz und auch Lösungsansetzen manifestiert. Auch vorherrschende Erzählmuster, die teils dystopisch oder elegisch ausfallen, werden in den Blick genommen.
Insbesondere wird sie auch zeigen, welchen Beitrag Literatur zu den gesellschaftspolitischen Debatten über Generationen- und Umweltgerechtigkeit leisten kann. Wie kann das Potenzial von Extinction Narratives genutzt werden? Dabei wird sie auch erörtern, dass die Funktion der Extinction Narratives als kulturelle Modellierungen von (un)möglichen Enden unserer jetzigen Welt immer mit Prädiktionen und Werten verknüpft sind.